Bildband Vivian Maier „Street Photographer“

Hinter dem 11. Adventskalendertürchen verbirgt sich diesmal ein Geschenktipp. Beim gestrigen Türchen ging es um street photography. Passend dazu möchte euch einen meiner Lieblingsbildbände ans Herz legen. Entweder als Weihnachtsgeschenk für Fotografen bzw. Fotografie-Liebhaber oder ihr beschenkt euch einfach selbst.

Bezeichnenderweise heißt der Bildband Street Photographer und zeigt Fotografien von Vivian Maier. Die Geschichte um ihre Aufnahmen sucht ihresgleichen. Der Stadthistoriker John Maloof war im Jahre 2007 mit der Arbeit an einem Buch über den Chicagoer Stadtteil Portage Park beschäftigt. Im Zuge seiner Recherchen suchte er händeringend nach historischen Fotoaufnahmen, die das alte Chicago und besonders diesen Stadtteil zeigten.

Per Zufall entdeckte er bei einer Auktion zahlreiche Negative und Abzüge unbekannter Herkunft. Zunächst zeigte er wenig Interesse an der Verwertung des Materials. Doch nach und nach fand er Gefallen an den Bildern und stöberte weiter in den Foto-Kisten herum. Die Bilder wurden über einen Zeitraum von 40 Jahren von dem Kindermädchen Vivian Maier gemacht, ohne dass je irgendjemand davon Notiz genommen hat. Angesteckt von dieser unglaublichen Geschichte erwarb Maloof weiteres Material – ca. 100.000 Negative, ca. 3000 Abzüge sowie hunderte unentwickelte Filmrollen, die zum Besitz Maiers gehörten.

Die Schwarz-Weiß-Bilder Maiers zeigen das alltägliche Straßenleben in den Vereinigten Staaten von etwa 1950 bis 1990. Jedes Mal, wenn ich mir die Bilder anschaue, frage ich mich „Wer sind diese Leute? Was ist aus ihnen geworden? Leben sie vielleicht noch? Welche Gedanken schwirrten zum Zeitpunkt der Aufnahme in ihren Köpfen herum? Wissen sie, dass sie vor vielen Jahren in genau dieser einen Situation fotografiert worden sind und nun in einem Buch erscheinen?“ So bleibe ich beim Druchblättern immer wieder bei vielen Bildern hängen und sitze einerseits grübelnd und andererseits faszinierend davor.

Maiers Leben ist weiterhin der Gegenstand umfangreicher Forschungen. So versucht das Team um John Maloof nach und nach das restliche Material zu entwickeln, und örtlich sowie zeitlich einzuordnen. Eine extrem spannende Geschichte. Mal schauen, was wir von diesem unglaublichen fotografischen Schatz in den nächsten jahren noch zu sehen bekommen.

Ein wirklich lebendiger, aber auch irgendwie melancholische anmutender Bildband. Macht sich perfekt in jedem gut sortierten Bücherregal.

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